Beschreibung
Kirschbaum Sylvia
Der Kirschbaum Sylvia ist eine kanadische Sorte aus der Kreuzung Van × Sam, die 1957 an der Forschungsstation Summerland in British Columbia durchgeführt und 1988 verbreitet wurde. Der Kirschbaum Sylvia ist die Referenz unter den von Natur aus kleinwüchsigen Säulen-Süßkirschen: Er trägt große, dunkelrote, feste und süße Früchte an einem schwachwüchsigen Baum, der sich für kleine Flächen eignet. Achtung: Er ist nicht selbstfruchtbar. Wir veredeln ihn in unserer Baumschule in Le Passage d’Agen (Lot-et-Garonne) mit AB-/Ecocert-Zertifizierung.
Steckbrief des Kirschbaums Sylvia
| Kriterium | Wert | Genaueres |
|---|---|---|
| Art | Prunus avium | Süßkirsche, nicht Prunus cerasus |
| Herkunft | Summerland, British Columbia (Kanada) | Eingeführt von Dr. Ken Lapins |
| Eltern | Van × Sam | Kreuzung 1957, Verbreitung 1988 |
| Wuchsform | Von Natur aus kleinwüchsig und säulenförmig | Schwache Wuchskraft |
| Blüte | Mittelspät, im Lauf des Aprils | Weiße Blüten |
| Befruchtung | Nicht selbstfruchtbar | Inkompatibilitätsgruppe IX (S1S4) |
| Ernte | Ende Juni bis Juli | Mittlere bis späte Saison |
| Frucht | Groß, dunkelrot | Eher länglich |
| Fruchtfleisch | Fest, süß, saftig | Leicht säuerlich |
| Aufplatzen | Gute Resistenz | Langes, überhängendes Laub |
| Fruchtbeginn | Früh, etwa 2 Jahre | Voller Ertrag mit etwa 4 Jahren |
| Kultur im Topf | Geeignet | Großer Container nötig |
| Schnitt | Wenig bis gar nicht nötig | Von Natur aus begrenzter Wuchs |
| Angebotene Unterlagen | Colt wird häufig empfohlen |
Vorstellung des Kirschbaums Sylvia
Der Kirschbaum Sylvia stammt aus derselben Kreuzung wie der Summit: Van × Sam, an der Station Summerland. Doch während der Summit schon 1973 verbreitet wurde, blieb die Sylvia einunddreißig Jahre in Beobachtung, bevor sie 1988 von Dr. Ken Lapins eingeführt wurde, dem lettischen Züchter, der der Sorte Lapins ihren Namen gab und dem ein guter Teil des modernen Kirschenanbaus zu verdanken ist.
Was die Sylvia von ihrem älteren Verwandten unterscheidet, ist der Wuchs. Während der Kirschbaum Van, ihr Elternteil, einen klassischen Baum bildet, wächst die Sylvia von Natur aus säulenförmig, mit einer Hauptachse und kurzen, schwachwüchsigen Seitenästen. Sie braucht keine zwergbildende Unterlage, um kompakt zu bleiben: Die Sorte selbst ist zwergwüchsig. Diese bei der Süßkirsche seltene Besonderheit hat sie zum am weitesten verbreiteten Säulenobst dieser Art gemacht.
Merkmale der Frucht
Entgegen der Befürchtung, die ein Zwergbaum weckt, ist die Kirsche Sylvia eine Frucht in voller Größe – vergleichbar mit der eines klassischen Kirschbaums und keine Miniaturkirsche.
- Aussehen: große, dunkelrote, glänzende Frucht von eher länglicher Form.
- Fruchtfleisch: fest, knackig, saftig. Das ist eine der Stärken der Sorte.
- Geschmack: ausgesprochen süß, leicht säuerlich.
- Aufplatzen: gute Regenfestigkeit – siehe den eigenen Abschnitt weiter unten.
Befruchtung des Kirschbaums Sylvia
Das ist der entscheidende Punkt dieses Steckbriefs, und wir widersprechen dem, was Sie anderswo lesen werden. Der Kirschbaum Sylvia wird sehr häufig als selbstfruchtbar dargestellt. Die technischen Befruchtungstabellen für Süßkirschen ordnen ihn jedoch in die Inkompatibilitätsgruppe IX mit den Allelen S1S4 ein.
Die wirklich selbstfruchtbaren Sorten aus dem Programm von Summerland – Stella, Lapins, Sunburst, Sweetheart – tragen alle das Allel S4′, eine Mutation, die es dem Pollen erlaubt, den eigenen Stempel zu befruchten. Die Sylvia trägt S4, nicht S4′. Eine auf Edelreiser spezialisierte amerikanische Baumschule gibt ausdrücklich an: Diese Sorte ist nicht selbstfruchtbar und verlangt einen zweiten, mittelspät blühenden Kirschbaum.
Unsere Position ist daher eindeutig: Pflanzen Sie eine Befruchtersorte. Orientieren Sie sich in unserem Sortiment an einer mittelspät bis spät blühenden Sorte, wie dem Kirschbaum Napoléon oder dem Kirschbaum Blanche d’Harcigny, in weniger als 20 bis 30 Metern Entfernung.
Eine Warnung, die für die ganze Art gilt: Ein Elternteil ist kein guter Pollenspender für seinen Nachkommen. Ein Sämling erbt von jedem Elternteil ein Allel und teilt daher zwangsläufig ein Allel mit jedem von ihnen. Die Van, Elternteil der Sylvia, ist hier nicht der zu bevorzugende Partner.
Anbau und Pflege des Kirschbaums Sylvia
Boden und Standort
Der Kirschbaum Sylvia verlangt einen tiefgründigen, fruchtbaren und gut durchlässigen Boden, eher leicht sauer, und einen Standort in voller Sonne, geschützt vor kalten Winden. Seine schwache Wuchskraft macht ihn bei schlechtem Boden weniger tolerant als einen klassischen Kirschbaum: Er hat wenig Reserven zum Ausgleichen.
Pflanzung und Kultur im Topf
Unsere einjährigen Veredlungen werden wurzelnackt von Dezember bis März geliefert. Im Topf planen Sie einen großen Container, ein durchlässiges Substrat und vor allem stetiges Gießen – das ist der limitierende Faktor, bei großer Hitze täglich. Ein Tipp, der überrascht: Übertreiben Sie es nicht mit Stickstoff, ein leicht knapp gehaltener Obstbaum im Topf trägt besser als ein mit Dünger überfütterter. Siehe unseren Ratgeber Wie wählt man seine Unterlage.
Schnitt
Die Sylvia braucht fast keinen Schnitt: Ihr natürlicher Säulenwuchs erledigt das. Beschränken Sie sich darauf, Totholz zu entfernen und bei Bedarf alle drei bis vier Jahre die Fruchttriebe zu verjüngen, im Sommer direkt nach der Ernte – nie im feuchten Winter.
Krankheiten und Schädlinge
Achten Sie auf die Schwarze Kirschenblattlaus, den Bakterienbrand, die Monilia und die Bleiglanzkrankheit. Im Topf oder im kleinen Garten werden die Vögel zum ersten Problem: Ein 2 m hoher Baum lässt sich dagegen sehr leicht mit einem Netz schützen, was ein echter Vorteil gegenüber einem 6 m hohen Kirschbaum ist. Die sommerliche Ernte setzt schließlich der Drosophila suzukii (Kirschessigfliege) aus.
Verwendung in der Küche
Die Kirsche Sylvia ist eine Tafelkirsche: fest, süß, zum Knabbern. Da die Ernten eines Säulenbaums bescheiden bleiben, wird sie selten zu Konfitüre – doch ihre Festigkeit würde sie in Clafoutis oder in Gläsern bestehen lassen, wenn der Baum gut befruchtet und gut ernährt ist.
„1,50 m“: Was aus einer Sylvia in der Erde wirklich wird
Alle Verkaufsblätter geben 1,50 m Höhe bei 50 cm Breite an. Diese Zahl beschreibt einen Baum im Container, nicht einen Baum im Freiland.
Die Sylvia ist von Natur aus schwachwüchsig und säulenförmig, das stimmt. Aber im Freiland auf einer Unterlage wie Colt gepflanzt, in gutem Boden und gut gewässert, wird sie diese Höhe überschreiten – sie bleibt schmal und leicht zu beernten, aber sie wird höher. Die 1,50 m entsprechen einem Exemplar, dessen Wurzelvolumen durch einen Topf begrenzt ist und dessen Wachstum durch den Schnitt eingedämmt wird.
Wir sagen es Ihnen lieber beim Kauf, als Sie es im fünften Jahr entdecken zu lassen. Wenn Ihre Vorgabe strikt ist – eine Terrasse, ein Balkon –, halten Sie sie im Topf: Dort wird das angegebene Maß eingehalten.
Warum die Sylvia bei Regen nicht aufplatzt
Die Platzfestigkeit der Sylvia wird einhellig berichtet, aber nur eine Quelle nennt die Ursache, und sie ist elegant: Die Sorte trägt ein langes, überhängendes Laub, das die Früchte überdacht und das Regenwasser fern von den Kirschen abtropfen lässt.
Das Aufplatzen bei Kirschen entsteht durch Wasser, das auf der Haut stehen bleibt und per Osmose in die Frucht eindringt. Je weniger die Kirsche nass bleibt, desto weniger reißt sie auf. Bei einer Sorte von Ende Juni bis Juli, der Gewitterzeit im Südwesten, ist das ein konkreter Vorteil – und es ist ein Kriterium, bei dem die Sylvia einen Kirschbaum Burlat deutlich übertrifft.
Häufige Fragen zum Kirschbaum Sylvia
Ist der Kirschbaum Sylvia selbstfruchtbar?
Nein, entgegen den Angaben der meisten Verkaufsblätter. Die technischen Tabellen ordnen die Sylvia in die Inkompatibilitätsgruppe IX mit den Allelen S1S4 ein: Sie trägt nicht das Allel S4′, das Sorten wie Stella oder Lapins selbstfruchtbar macht. Planen Sie unbedingt eine mittelspät blühende Befruchtersorte ein.
Welche Befruchtersorte für einen Kirschbaum Sylvia?
Eine mittelspät bis spät blühende Süßkirschensorte aus einer anderen Inkompatibilitätsgruppe, gepflanzt in weniger als 20 bis 30 Metern Entfernung. Die Napoléon und die Blanche d’Harcigny blühen zur richtigen Zeit. Vermeiden Sie dagegen die Van: Als einer der Eltern der Sylvia teilt sie zwangsläufig ein Allel mit ihr.
Wie groß wird ein Kirschbaum Sylvia?
Etwa 1,50 m bei 50 cm Breite im Topf, eine überall übernommene Angabe. Im Freiland auf der Unterlage Colt wird er in gutem Boden diese Höhe überschreiten und dabei schmal und säulenförmig bleiben. Die Sylvia ist von Natur aus zwergwüchsig und schwachwüchsig, aber das angegebene Maß entspricht einer Kultur im Container.
Kann man einen Kirschbaum Sylvia im Topf kultivieren?
Ja, das ist sogar seine bevorzugte Verwendung: Sein natürlicher Säulenwuchs und seine schwache Wuchskraft machen ihn für einen großen Container auf Terrasse oder Balkon geeignet. Planen Sie ein durchlässiges Substrat und stetiges Gießen ein, bei großer Hitze täglich. Vergessen Sie nicht, dass er trotzdem eine Befruchtersorte in der Nähe braucht.
Wann werden die Kirschen der Sylvia geerntet?
Die Ernte der Sylvia erstreckt sich von Ende Juni bis Juli, was sie zu einer Sorte der mittleren bis späten Saison macht. Der Fruchtbeginn ist für einen Kirschbaum früh: Rechnen Sie mit etwa zwei Jahren bis zu den ersten Kirschen und vier Jahren bis zum vollen Ertrag.
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